Mit dem Abschluss von 2024 verfügt meine Gornsdorfer Datenreihe nun über 30 Jahre lückenlose Wetterdaten, deren Mittelwerte nun offiziell als "Klima"
bezeichnet werden dürfen, wobei deutliche Veränderungstendenzen erkennbar sind. Vor allem der Rückgang der nördlich geprägten Wetterlagen zu
Gunsten einer Süd- bis Südostanströmung tritt seit 2015 deutlich hervor. Das Ausbleiben dieser kalten Wetterlagen ist die Hauptursache der
beobachteten Erwärmung und Zunahme der Trockenheit. Die Folgen sind bekannt: Trockenstress für die Fichte mit Borkenkäferbefall, Schließung
aller Skilifte in Gornsdorf und Auerbach durch Ausbleiben der Schneedecke, einsetzende Entwaldung von Südhängen und Bergkuppen, Austrocknung
zahlreicher Kleingewässer und Anpassungsmaßnahmen bei der Trinkwasserversorgung. Nichtsdestotrotz profitiert die mittlere Höhenlage des Erzgebirges
auch von den Veränderungen: der Heizenergiebedarf sinkt, das Verschwinden der Fichtenmonokulturen mit verbuschten Freiflächen erhöht die Artenvielfalt
im Wald, Obst und wärmeliebende Pflanzen liefern höhere Erträge, der Sommer mit seinen gemäßigten Temperaturen ist in unserer Höhenlage
durchaus attraktiver als der "Erzgebirgsmonsun" der Vergangenheit.
So bildet das 30. Jahr meiner Aufzeichnungen den bisherigen Höhepunkt der mittleren Temperatur von +10,2 Grad (+1,3 Grad Abweichung),
während der Niederschlag mit 999 l/m2 (99%) fast genau den Mittelwert traf.
Tiefdruckgebiete sorgen zu Anfang des Montas für milde und niederschlagsreiche Witterung, bevor ab 8.12. Kaltluft ins Spiel kam
und sich für 5 Tage eine Schneedecke von bis zu 6 cm Höhe ausbildete. Am 13. wurde unter Hochdruckeinfluss die tiefste Temperatur
von -6,3 Grad gemessen. Danach setzte massive Warmluftzufuhr ein, die am 19. mit +10,4 Grad ihren Höhepunkt erreichte.
Pünktlich zu Weihnachten kam es am 23. zu Schneefällen und deutlicher Abkühlung, so dass meine Wetterstation in Gornsdorf am Heiligabend
(20 Uhr: 1 cm Schnee, +0.8 Grad) genau an der Schneefallgrenze zu verorten war.
Oberhalb dieser Höhenlage sollte es unter sehr starkem Hochdruckeinfluss bis Silvester weiß und unterhalb grün bleiben.
Gornsdorf blieb dabei komplett außerhalb der Nebelgebiete und die Luft trocknete extrem ab (bis zu 31% relative Luftfeuchte am 28.).
Der häufige Sonnenschein erfreute die Photovoltaikbesitzer im normalerweise trüben Monat. Mit 80% des regulären Niederschlags
und einer Temperaturabweichung von +1,0 Grad lag der Dezember in einer üblichen Schwankungsbreite.
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Nach einer langen Reihe von zu warmen und fast normal temperierten Monaten war der November 2024 etwas zu kühl.
Die Ursache dafür war zu Beginn eine Hochdruckwetterlage, die in Gornsdorf zu trübem und zu Frost neigendem Wetter führte,
obwohl es in den höheren Lagen sehr warm war (Inversionswetterlage). Diese Wetterlage wurde zur Monatsmitte durch westliche und
schließlich nordwestliche Winde abgelöst, die am 18.11. den ersten Schneefall und am 20.11. die erste 10 cm hohe Schneedecke der Saison brachten.
Es folgte eine massive Erwärmung auf bis zu +16,4 Grad am 25.11., die dafür sorgte, dass die letzte Novemberdekade doch noch zu mild ausfiel.
Mit knapp 69 l/m2 wurde das Niederschlagsmittel von 80 l/m2 nicht ganz erreicht.
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Das regnerische und von rasch durchziehenden Tiefdruckgebieten dominierte Wetter des Septembers setzte sich bis zum 14. Oktober fort.
Damit verbunden waren sowohl zu kalte als auch zu warme Tage, wobei der erste Bodenfrost fast pünktlich am 12.10. beobachtet wurde.
Damit fielen in der ersten Monatshälfte bereits über 90% der üblichen Niederschlagsmenge für den gesamten Monat.
Das Kontrastprogramm dazu entwickelte sich in der zweiten Monatshälfte. Vom 15. bis 26.10. sorgte eine stabile Ost- bis Südostströmung
für beständigen Wind und freundlich milde goldene Oktobertage. Niederschläge gab es nur durch Staueffekte am Erzgebirge
und waren von geringer Intensität. Schneefall, der letztmalig 2018 in einem Oktober auftrat, lässt weiter auf sich warten.
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Mit einer Hitzewelle startete der September, so dass die erste Dekade des Monats mit einer Durchschnittstemperatur von 20,4 Grad
die wärmste je in einem September registrierte Periode darstellte. Der im August ausgebliebene typische Temperatursturz,
der den Sommer beendet, erfolgte zwischen 9. und 13.9. von 28,4 auf 6,2 Grad, welcher durch eine Vb-Wetterlage hervorgerufen wurde.
Diese streifte das Erzgebirge mit ergiebigen, jedoch im Vergleich zu Polen, Tschechien ungefährlichen Niederschlagsmengen.
Vom 17. bis 23. folgte eine Woche angenehmer Altweibersommer, bevor mit westlichen Winden weitere Abkühlung einsetzte.
In Summe glichen die reichlichen Niederschläge (194% vom Mittelwert) das über das Jahr gesammelte Regendefizit aus.
Der September endet insgesamt etwas zu warm mit idealen Voraussetzungen für die Pilzernte.
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Zu warm, aber sommerlich angenehm präsentierte sich der August ohne durch starke Hitzewellen oder Niederschlagsmangel aufzufallen.
Interessant waren die häufigen Luftmassenwechsel, die immer wieder zu Temperaturspitzen mit nachfolgender Abkühlung führten.
Betrachtet man den meteorologischen Sommer insgesamt, dann ist dieser +0,7 Grad wärmer als im langjährigen Mittel und
mit 85% des Normalniederschlags im Bereich der üblichen Schwankungen. Zu erwähnen sind die weitere Zunahme der Südost- bis
Südwetterlegen sowie 14 Gewittertage (normal 10).
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Im Juli setzte sich gemäß Siebenschläferregel das moderat temperierte, in Sachsen eher angenehme Sommerwetter fort.
Der Wettercharakter war dabei von einem Wechsel der Luftmassen atlantischen und subtropischen Ursprungs geprägt.
Die längste niederschlagsfreie Periode betrug nur sechs Tage, was allgemein einem typischen mitteleuropäischen Sommer entspricht.
Da viele gewittrige Niederschläge auftraten, sind die Regenmengen lokal sehr unterschiedlich verteilt.
Generell sind durch die häufige südliche Anströmung des Erzgebirges vor Durchzug der atlantischen Tiefs aber in Sachsen schwächere
Niederschläge zu verzeichnen gewesen als in anderen Teilen Deutschlands. Das trifft auch auf Gornsdorf zu.
Die stärksten Gewitter sind nämlich häufig vor den Tiefdruckgebieten in labilisierter Warmluft zu beobachten.
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Der Juni beendete die Abfolge von zu warmen Monaten aufgrund einer sehr kühlen, aber sonnigen und trockenen ersten Monatshälfte.
Erst zum Monatsende erreichte die Temperatur sommerliche Werte und auch die noch gültige Jahreshöchsttemperatur (27,4 Grad von 8.4.)
wurde erst am 26.6. knapp übertroffen. In der Gesamtschau bewegt sich der Juni innerhalb der Mittelwerte.
Erstaunlich ist der sehr hohe Anteil an Südostlagen (47%), die als Windrichtung auftreten, wenn Tiefdruckgebiete genau westlich des Erzgebirges liegen.
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Der Mai komplettiert eine Folge von zwölf normal oder zu warm temperierten Monaten. Das ist in den letzten 30 Jahren noch nicht aufgetreten.
Der Monat war stark geprägt von kühlen Troglagen, die aber in Gornsdorf nicht etwa starke Niederschläge wie in vielen Gegenden Deutschlands
zur Folge hatten, sondern ausgeprägte Phasen (z.B. 12.-18.) eines ruppigen, kalten Südostwindes, der im Osterzgebirge auch als "Böhmischer Wind" bekannt ist,
und eine verstärkte Austrocknung der Böden verursacht. Einige Gewitter und Regengebiete, die ebenfalls meist von Osten her auf unsere Gegend trafen,
halfen nur wenig, das Verdunstungsdefizit in Grenzen zu halten. Auch ein vorhergesagtes Hochwasser traf eher Bayern als Sachsen,
so dass trotz in Summe durchschnittlicher Niederschläge im Mai der Oberboden vor allem Mittelsachsen die einzige Region in
Deutschland mit Dürreerscheinungen ist.
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Die Achterbahnfahrt der Apriltemperatur verursachte große Probleme, die über das gesamte Jahr nachwirken werden.
Am Anfang des Monats kam es zu einem massiven Warmluftvorstoß nach Mitteleuropa, der reihenweise Wärmerekorde verursachte.
Auch in Gornsdorf war die erste Dekade +6,3 Grad zu warm und die Temperatur stieg am 8. auf 27,4 Grad.
Beides sind neue Aprilrekorde in meiner 30-jährigen Messreihe. Nach einer normal temperierten Monatsmitte entwickelte sich ein
Kaltlufteinbruch, der an vier aufeinanderfolgenden Tagen Frost bis -5 Grad verursachte. Am Boden wurden teilweise noch tiefere Werte erreicht,
was für April nicht ungewöhnlich ist. Leider war die Vegetation aufgrund der Wärme schon weit fortgeschritten, so dass vor allem
Weinstöcke, Obstbäume, Stieleichen, Walnüsse und Rotbuchen deutliche Frostschäden erlitten, die teilweise zu einem nahezu
ertragslosen Jahr führen werden. Der Niederschlag erreichte die Mittelwerte.
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Betrachtet man die deutschlandweiten Mittelwerte des diesjährigen März, so sticht das Erzgebirge mit den höchsten Abweichungen
bei der Temperatur und den geringsten Niederschlägen im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten heraus.
Begründet ist dies durch den hohen Zeitanteil von Südwest- bis Südostlagen, die immer mit einer Niederschlagsabschwächung für
das Erzgebirgsvorland sowie leichten Föhneffekten mit Temperaturerhöhung verbunden sind. Diese Konstellation ist mittlerweile
seit etwa 20. Februar vorherrschend und verursacht eine kontinuierliche Austrocknung der oberen Bodenschichten.
Trotz sieben Frosttagen lagen die Temperaturen fast durchweg über den üblichen Mittelwerten, so dass der Monat mit einer
Abweichung von +3,3 Grad als deutlich zu warm den Trend des Februars fortsetzt.
Den Höhepunkt der Warmluftvorstöße markierten der Ostersamstag und Ostersonntag (30./31.3.), an welchen ein dichter Schleier
von Saharastaub bei rund 20 Grad trotz wolkenlosen Himmels einen diesig, milchigen Wettereindruck vermittelte.
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Der Februar 2024 verzeichnete in meiner nunmehr 30 Jahre umfassenden Gornsdorfer Wetterdatenreihe fünf neue Rekorde:
(1) Höchster Temperaturmittelwert (+4,8 Grad Abweichung), (2) höchste mittlere Minimum- und (3) Maximumtemperatur,
(4) wärmste Tiefsttemperatur (-1,7 Grad) und (5) geringste Anzahl an Tagen mit Frost (4 Tage anstelle von 17).
Die Ursache war eine sehr lebhafte Westwinddrift, die in stetiger Folge sehr milde und feuchte Atlantikluftmassen nach Mitteleuropa führte.
Bis 26.2. lagen alle gemessenen Temperaturen ausnahmslos über den langjährigen Mittelwerten. Selbst das kurze Winterintermezzo am 7./8.2.
mit bis zu 11 cm Schnee hatte nur Temperaturen bis -0.8 Grad im Gepäck. Erst ganz am Ende des Monats kehrten die Temperaturen in die
Nähe der üblichen Mittelwerte zurück. Die Niederschläge erreichten entsprechend 143% des Mittelwertes,
was weiter hilft die Grundwasservorräte aufzufüllen. Der einzige Monat mit noch massiveren positiven Abweichungen ist der Dezember 2015.
Damit rangiert der Februar 2024 auf Platz zwei aller Monate der letzten 30 Jahre, wenn man nach Temperaturabweichung vom Mittelwert sortiert.
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Das milde, regnerische Erbe des vergangenen Jahres dominierte auch die erste Januarwoche, bevor sehr kalte Luft aus Skandinavien
unsere Gefilde erreichte. Vom 6. bis 9.1. ging die Temperatur kontinuierlich von +4 auf -14,6 Grad zurück, ohne dass eine Flocke Schnee fiel.
Dieser Kahlfrost wurde ab 13.1. von einer Schneedecke begleitet, die am 18. eine Höhe von 15 cm erreichte.
Den Höhepunkt des kurzen Hochwinters bildete der sonnige, aber noch frostige 20. Januar.
Bis dahin betrug die Temperaturabweichung -1,7 Grad vom Mittelwert und die Skifahrer frohlockten.
Doch dann brach die Westwinddrift voll durch, raffte die Schneedecke hinweg und drehte vor allem durch hohe nächtliche Tiefstwerte
den Mittelwert noch zu einer positiven Abweichung von +0,8 Grad. Die Niederschläge trafen nahezu den Mittelwert.
Als kurioser Rekord sei noch die sehr niedrige durchschnittliche Luftfeuchte erwähnt, welche durch einige leicht föhnige Tage verursacht wurde.
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